Marktbote

Dies, werter Besucher, ist unser Marktbote. Verfasst um euch von seltsamen Begebenheiten, tapferen Rittern, dem normalen Wahnsinn des Alltags und - natürlich - um von unseren gloreichen Taten zu berichten.

Bad Münster am Stein, Ebernburg   16.09 - 18.09.2006
Holladriho, wir haben die Ebernburg hinter uns, sind fröhlich wieder zuhause und mittlerweile auch wieder getrocknet.... in der Nacht vom Sonntag auf Montag hat es derartig von oben genässt (und es hörte auch beim Abbauen nicht auf), dass mir zeitweise der Spaß am Mittelalterlichen verging, aber das hielt nicht lange an.
Zum vierten Mal (ein kleines Jubiläum, wenn ich mich nicht verzählt habe) sind wir also nun über die arglosen Südler hereingebrochen. Mit dabei waren diesmal Markus, Sandra, Martin, Martina, die vollzähligen Hipkes, Marlén, Nadine, Thorsten und natürlich unser unverwüstlicher Dirk, der quasi die ganze Zeit über am oberen Tor Woche gestanden hat - wenn das nicht mal ein eindrucksvoller "proof of manhood" war!
Von Dirks rituellem Sich-in-letzter-Minute-Verfahrer auf der Hinfahrt abgesehen, fiel uns die Anreise in diesem Jahr relativ leicht (wir sind ja fast schon Profis ). Das Problem war dann das Auspacken. Denn wir hatten Hipkes PS-Sonnensegel (praktisch UND schön!) mal eben so im falschen Bundesland gelassen und mussten also auf das leicht ramponierte VA-Sonnensegel (Verdammt Authentisch) zurückgreifen... löchrig und, wie sich herausstellen sollte, nicht wasserfest. Martina und Marlén zogen also tapfer von dannen, um im Wald ein passendes Gestänge für dieses Monstrum zu schlagen. Es gelang ihnen, und diese wüste Konstruktion hielt sogar den Härtetest in der Nacht zu Montag aus (trotzdem gab es einen großen, feuchten "Platsch", als wir es beim Ausladen aus dem Hänger wuchteten).
Etwas blöd gelaufen war der Umstand, dass durch unsere geringe Mannschaftsstärke leider jeder von uns dauernd entweder Lager- oder Torwache schieben musste. Nun ja, aber beides macht ja auch Spaß. Vorallem dann, wenn man einem "Streuner" die Hand stempeln darf !
Aber ich würde gerne einmal wissen, warum die Pfälzer sich das Sprechen so schwer machen. Jetzt mal ehrlich, es ist doch viel unbequemer, uns zu fragen, ob wir "noch ä Supp" essen möchten, als ordentlich in hochdeutschem Idiom "eine Suppe" zu offerieren! Andererseits hat es mich tendenziell doch aufgeheitert, als ein Eingeborener mir, als ich fußwehgeplagt ganz langsam vom Markt zurück ins Lager humpelte, fröhlich hinterher brüllte: "Tu Schbitzwägerisch druff!" Danke für den Rat und die lustige Aussprache. Wenn meine von den Holzschuhen aufgerauten Füße nicht so geschmerzt hätten, hätte ich gelacht.
Mal im Ernst, der Markt war wie immer ein Traum, das Lagerleben hat auch gut geklappt - dank Nadines mafiösen Führungsqualitäten ("Geld her oder Du landest im Dixieklo, mit der Nase nach unten!" Naja, das hat sie nicht gesagt, aber viel fehlte nicht), die bravourös unseren versehrten Papa Schlumpf ersetzte (Jan, Dich und natürlich Steffi haben wir trotzdem vermisst!)
Danke an die Recken zu Porta, die uns einen Tisch und Sitzbänke liehen (ist euer Sonnensegel wieder trocken?) und an die "Schwerter", ihr wart wie immer ganz tolle, freundliche Nachbarn!
Heike



Mittelalterlicher Markt Burg Münzenberg   03.05 - 05.06.2006
Nach einigen planerischen Turbulenzen und durch krankheitlichen Ausfall leicht reduzierten Tross reisten wir dieses Jahr nach Münzenberg. Die Unerschrockenen, die trotz anfänglich schlechter Wetterprognose und bis unter das Dach vollgepackten Autos die lange Fahrt aufnahmen waren dieses Mal die Heimers, Michael und Sandra, Martin, Markus, Marlen, Thorsten und Nadine.
Auf Hin- und Rückfahrt überraschten die hessischen Autobahnen mit immer neuen Baustellen, fehlenden Fahrbahnmarkierungen und sensationellen Buckelpisten mit Schlaglochausweichpacours auf dem rechten Fahrstreifen. Um die Serie der Autopannen zu vervollständigen, überlegte sich diesmal Martins Auto, nichts mehr von seinem Kühlwasser zu halten und den Motor lieber kochen zu lassen, was zum Glück gerade noch rechtzeitig bemerkt wurde.
Die münzenbergische Lagerorga war dieses Jahr sehr entspannt und schaffte es sogar, super saubere Dixis (diesmal nicht in Hanglage aufgestellt) mit ständigem Nachschub an Klopapier bereitzustellen. Ein dickes Lob dafür, davon können sich andere Veranstalter eine Scheibe abschneiden. Zwar musste man das bereitgestellte Feuerholz erst noch zum Brennen überreden und wenn es denn mal brannte und nicht nach 5 min zum Schwelen überging, war ein Jahr lang Kettenrauchen sicherlich gesünder als einmal den Feuerrauch einzuatmen. Noch nie waren wir so sentimental am Lagerfeuer.
Allerdings konnte Marco mit Hilfe der Brennholzpalettenteile eine phänomenale Unterkonstruktion für das Sonnensegel auf die Küche zimmern. Zusammen mit einem von ihm und Martin mit vereinten Kräften aus einem Baum geborgenen langen grünbemoosten Ast wurde so aus dem Segel eine wirklich urige Feuerstelle.
Womit wir bei dem ständigen Mittelpunkt dieses Schlemmerwochenendes wären, denn gegessen wurde eigentlich die ganze Zeit, soweit man nicht gerade die letzte Mahlzeit sacken ließ, um Platz für die nächste zu schaffen. Man kann nicht behaupten die Ravensberger wären verfressen, das wäre nämlich gänzlich untertrieben. Kulinarischer Höhepunkt war sicherlich das Sonntagsfrühstück von ca. 10 bis 14 Uhr, mit Brötchen, Rührei in verschiedensten Ausführungen, gekochten Eiern und danach noch Pfannekuchen (grosser Dank an den Koch Marco). Die Burgkulisse war genau wie im letzten Jahr wieder traumhaft, obwohl der Markt ruhig weniger Plastik hätte verkaufen können. Nach ausgiebigen Tests haben wir feststellen können, dass sich auch an der Akkustik nichts geändert hat. Auch ist der Burgturm ein gut geeignetes Mittel um eine eventuell vorhandene Höhenangst zu Tage zu fördern, wem bei der abenteuerlichen Treppenkonstruktion nicht mulmig in der Magengegend wird, dem empfehle ich eine Karriere beim Hochbau.
Die von uns am Sonntag Abend mit Spannung erwartete Feuershow litt leider erstens darunter, dass man uns erst nicht in die Burg lassen wollte und es zweitens ob der frühen Stunde noch hell war. Das einzige Highlight der Show, zumindest anscheinend aus männlicher Sicht, war wohl Salome, die äußerst knapp bekleidete und verbiegungsfreudige Feuerjongluese. Es wäre unter anderem von Vorteil gewesen, wenn sich die Akteure nicht in ganz so viel Spontanität geübt hätten und die musikalische Begleitung nicht nur aus Trommeln bestanden hätte. Marlens Einweihung ihrer Feuerpoi später am selben Abend sah da wesentlich eindrucksvoller aus. Wir sind wohl noch von Tales of Fire verwöhnt.
Wo wir schon mal bei Artistik im weitesten Sinne sind, haben wir es im Rahmen des Ravensberger Sonderforschungsbereiches geschafft, die arme Tanja mit dem gefährlichen Poi-Virus anzustecken, verbunden mit einer schweren Talentitis äußerte sich das Krankheitsbild in leuchtenden Augen, spontaner Begeisterung und längerfristiger erfolgreicher Trainingsarbeit. Wenn das so weiter geht, können wir bald unsere eigene Feuershow auf die Beine stellen (freut euch dann schon mal auf die Ebernburg).
Am Montag bestritten dann noch vier von uns ein mittelalterliches Kegeltunier, das wir natürlich souverän verloren, was aber nicht unwesentlich an dem vor den gegnerischen Klötzen aufgebautem Verteidigungswall aus Gras lag.
Alles in allem war dieser Markt, nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er drei Tag lang dauerte sehr entspannt, wir waren ständig gut verpflegt, hatten sogar 2 Stunden Sonnenschein und nur an einem Tag ein wenig Regen(was für den gemeinen Ostwestfalen ja schon fast Luxus ist) und selbst der Abwasch lief reibungslos. Die lange Fahrt hat sich auch dieses Jahr absolut gelohnt. Was will man also mehr? Natürlich im nächsten Jahr nochmal zur Münzenburg fahren! Nadine




Mittelalterlicher Markt und Ritterlager in Bad Münster am Stein oder "Kalt ist die Nacht für Gendarme"   16.09 - 18.09.2005
Endlich, endlich hatte ich dieses Jahr auch einmal Gelegenheit, die Ravensberger nach Rheinland-Pfalz zu begleiten. Ich hatte schon viel Legendäres über den Ebernburg-Markt gehört und war entsprechend gespannt. Doch zunächst mußte ich mich in Geduld üben: Unsere Konvoi-Fahrt mit Sprinter und diversen Autos dauerte dank Stau gefühlte vier Jahre (ungefähr sechs reale Stunden, wenn ich mich nicht täusche). Zwischendurch gingen wir sogar unseres Michaels verlustig, doch am Ende ruckelten wir Freitagabend recht erschöpft, doch fröhlich auf dem Lagerplatz an. Um meinen ersten Eindruck des Rotenfels auch nur annähernd adäquat auszudrücken, muss ich mich sprachlicher Untiefen bedienen: Boah. Watn Fels. Unsere quietschfidele Truppe setzte sich dieses Mal zusammen aus JanEike ("Wir Elben haben eine angeborene Eleganz"), Steffi ("Ischbin gaaaa nisch bedrungän"), Thorsten, Nadine, Christine, Heinz, Anika, Markus, JanJan, Martin, Matthias, Martina, Michael, Mirko, Anna, Dirk und meiner unbedeutenden Geringfügigkeit (habe ich jemanden vergessen?). Als freundliche Mindener Leihgabe durften wir außerdem unsere Lieblingspestkranke Tatjana und Terror in unserer Mitte begrüßen, was sich sehr angenehm gestaltete! Gerne öfters, würde ich sagen, wenn ich etwas zu sagen hätte . Leider fehlte unser Marlénchen, der die Abgabe der Diplomarbeit dazwischen kam. Schade auch, dass Kimba nicht dabei war. Meike und ihr Thorsten kamen am Samstag nach, doch konnten leider nicht lange bleiben. Und wo ich schon gerade am Jammern bin: Die Klos � naja. Lasset uns einen Mantel des Schweigens darüber ausbreiten *hust*. Diese Thematik ist an anderer Stelle schon ausreichend diskutiert worden. Ein Wust von Bedauerlichem also! Trotzdem war dieses Wochenende ganz klar ereignisreich und unterhaltsam und wunderschön. Schließlich empfingen uns die putzigen Söldner samt Knuddelmonster Rex sehr herzlich und waren supernette Lagernachbarn. Vielen Dank ins Rheinland auch für die Möglichkeit, euren Grill mitzubenutzen (unsere Grillroste kamen später nach)! Wir übernahmen die Wache am obersten Tor zum Markt in zweistündigen Schichten. Wie Michael und Dirk es geschafft haben, beim Tordienst mehrere Damenbrüste und Kinderstirne zu stempeln, will ich gar nicht so genau wissen. Aber der Einfall, auf Schmuggelgut wie Met, Bier, Waffeln und Brezeln Steuern zu erheben oder sich ersatzweise mit diesen Waren "bestechen" zu lassen, hat sich auch für mich gelohnt. Und eines habe ich beim Wachestehen fürs Leben gelernt: Es ist nicht ratsam, einen schlecht gelaunten Menschen in Vollrüstung "Ritter Bonduelle" zu nennen. Liebe Kinder, versucht das nicht zu Hause. Viele von uns marodierten in kleinen Grüppchen stundenlang durch die belebten Gassen dieses stimmungsvollen, schnuckelig hergerichteten, wirklich sehenswerten Dorfes zu Füßen der Ebernburg. Ich für meinen Teil habe dank meiner Holzschuhe Blasen an wirklich ausgefallenen Stellen meiner Füße hinbekommen. Manche zuberten, anderen gelang es tatsächlich, zu duschen, die meisten rochen streng und alle hatten wir eine Menge Spaß. Wovon wir gerne eine Menge mehr gehabt hätten, war Feuerholz. Nachts sanken die Temperaturen doch auf ein sehr empfindliches Maß ab (Nadine meinte sogar, eine gefrorene Pfütze im Toilettenwagen entdeckt zu haben). So einige verbrachten die Nacht lieber am Lagerfeuer (oder am im unter dem Metstand) als im Zelt. Apropos Nacht! Ich kenne ja durchaus seltsame Gebräuche in Zeltlagern. Sei es das "Helga"-Geschreie auf Festivals oder auch instrumentale Übungen nach dem unsterblichen Pratchett-Motto: "Die schlimmste Musik, seit Shawn Oggs Dudelsack die Treppe heruntergefallen ist". Aber: Hochverehrte Kelten! Warum ist es nach Mitternacht noch für den Rest des friedlich unter Sternen schlummernden Lagers von Interesse, daß es nicht viele von euch gab, und die, die waren wie ihr, nun tot sind? Welchen Erkenntniswert habe ich aus diesem markerschütternden Gute-Nacht-Schrei gewinnen können? Bitte teilt es mir doch mit, da ich sonst unwissend sterben muß. Weiterhin halte ich für sehr erwähnenswert, daß sich unser lieber Dirk mit Ruhm bekleckerte (und dafür nicht einmal viel Blut vergießen mußte), denn er wurde bei den Freikämpfen mit dem Langen Schwert Fünfter! Wir haben sehr gejubelt und wollen dies hiermit noch einmal tun. Absolutes Highlight war natürlich das Fortsetzungsroman-Turnier. Außerdem haben Michael, Anika, Anna, Mirko und ich den Rotenfels erklommen und Anika hat tolle Panoramafotos gemacht (Leute, schaut in die Galerie! Laßt euch das nicht entgehen). Christine und Heinz haben sich sehr ums Essen und die Sauberkeit unseres Lagers verdient gemacht (danke!), ich bin wider Erwarten nicht erfroren und konnte preisgünstige Fibeln ergattern und ein "Streuner" sang für Anna und mich bei der Torwache ein Minnelied, um passieren zu dürfen. Ich fürchte, ich bin sehr rot geworden. Heike



9. Mittelalterlicher Markt in Trendelburg-Deisel   02.09 - 04.09.2005
Willkommen zurück zu meiner allseits beliebten Hygiene-Kolumne "Mittelaltermarkttoilettentesterin in geheimer Mission". Um es vorwegzunehmen: Zwei Daumen hoch für die lustige Möglichkeit, in eine Raiffeisenbank zu pinkeln! Die Klos verstopften erst am Sonntagmittag, was eine ordentliche Durchhaltedauer ist. So. Können wir uns jetzt dem Markt zuwenden? Ja? Danke schön. Auch dieses Mal sind wir wieder in Hessen gelandet, nämlich in dem extrem niedlichen Dörfchen Deisel, das sein 1000jähriges Bestehen gefeiert hat. Wir waren mit drei Zelten und in kleiner Besetzung unterwegs: Dirk der Unerschrockene, Michael der Hilfreiche, Nadine die Griesbreikönigin, Thorsten FelsInDerBrandung, Nicole Flinknadel, Christian SchmiedGut - und ich, die Frau mit dem schlechten Karma. Wie sonst ist es zu erklären, daß ich die neben meinem Zelt verrottende Maus einfach nicht fand und nächtelang unter GERUCH zu leiden hatte?! [Nebenbemerkung an Sommervogel-Olaf: Nein, das war nicht ich! Ich habe die wunderbaren Duschen in der Mehrzweckhalle verwendet! Warmes Wasser und Seife, was für ein Luxus... dem haben sich manche von uns ja nicht hingegeben!] Das Marktvolk von Espen und "Tales of Fire" hatten uns eingeladen, ihnen im Lager beizuwohnen. Gemeinsam rotteten wir uns auf der Wiese im Schatten der schönen Kirche zusammen (in der Kirche gibt es sehr beachtenswerte naive Malerei mit durchgehendem Rankenmotiv zu sehen) � und strengten uns alle sehr an, "süß und knuddelig" zu sein. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Viele hatten sich mit Kartoffelsäcken und Holzschuhen sowie Ähnlichem gewandet, zeigten altes Handwerk (danke an den lieben Herrn mit dem Wetzstein für mein endlich wieder scharfes Frühstücksmesser!), versorgten Rest-Deisel mit Bratschwein am Spieß und führten nicht ganz mittelalterliche Dreschmaschinen vor, was eine idyllische Töff-Töff-Geräuschkulisse im Lager zur Folge hatte. Die Atmosphäre war trotzdem klasse, nämlich herzlich, gastfreundlich und engagiert. Danke an Deisel! Während das Marktvolk und die Feuerbarden ihrem verdienstvollen Auftrittsplan folgten, kleideten Dirk, Michael und Christian am laufenden Band Menschen in Kettenhemden, führten Schmiedekünste vor und gaben generell unsere Hans-Dämpfe-in-allen-Gassen. Ich versuchte, Borte an mein Lieblingskleid zu nähen, wobei mich seltsam interessierte Kinder irritierten, und Nadine brachte Jung und Alt die Geheimnisse des Brettchenwebens näher. Sonntagfrüh ging ein Großteil unseres Lagers zu einem mittelalterlichen Gottesdienst in die Kirche, der die meisten tief beeindruckte. Wenn man von der toten Maus und gelegentlichen Verpflegungsproblemen absieht, war dieser Marktbesuch mit Erfreulichem gespickt: Ich mochte den "Heyho, spann den Wagen an"-Chorgesang des ganzen Lagers am Freitagabend, der mich besinnlich in den Schlaf wiegte, die niedliche kleine Dackeldame des Sachsenkönigs (viel Glück für die OP) und den Fremdwelpen, der dem "Wollust in Maschen"-Stand ein Wollknäuel klaute. Aber Dirk: Wenn Du das nächste Mal einen Dieb überwältigst und ihn in die Schandgeige steckst, verzichte vielleicht besser darauf, Deine Lanze auf ihm zu zerbrechen! Sonntagabend fuhren wir wieder Richtung Bielefeld. Zur nächsten 1000-Jahr-Feier kommen wir gerne wieder!



Lager mit den Recken zur Porta, Hausberge   26.08 - 28.08.2005
Jedes Jahr kampieren die tapferen Recken zur Porta im Rahmen der Aktion "Tag des offenen Zeltes" ein Wochenende lang auf einer malerischen Wiese, irgendwo im Porta-Westfalica-Niemandsland. Reichlich Gelegenheit, um an eigenen Projekten zu arbeiten, sich auszutauschen, sich gegenseitig zu hauen, miteinander zu feien, sich Interessenten zu präsentieren, Kimba zu kraulen und um überhaupt viel Spaß zu haben. Dieses Mal haben sich Dirk, Marlén, Andreas und meine Wenigkeit dazu gesellt, um die eigene Mittelalter-Tauglichkeit unter diesen außerordentlich historisch korrekten Zuständen zu testen. Ich sage nur: Wald + Klappspaten = Klo. Das gibt ordentlich Haare auf der Brust (äh: natürlich nur bei den Männern, bei Frauen führt so etwas eher zu Haaren auf den Zähnen....)! Heimsch...läfer wie JanEike und Steffi ließen sich nur tagsüber blicken. Ein mächtig überlegenes "Ha!" scheint mir an dieser Stelle angebracht. Obwohl es das ganze Wochenende nicht regnete, war die Wiese von der vergangenen Woche ordentlich nass. So teilte ich mein Zeltchen außer mit Andreas noch zusätzlich mit einer Nacktschnecke. Marlen und Dirk genossen den Luxus eines jeweils eigenen Zeltchens. Wir suhlten uns also geradezu in Dekadenz. Gemeinsam mit den Recken übten wir Mini-Armbrustschießen und maßen uns ritterlich beim Wettstreit um das unromantischste Lied am abendlichen Lagerfeuer. Zu meinem tiefsten Bedauern muß ich einräumen, daß meine Blockflöten-Version von Pippi Langstrumpfs Titelmelodie souverän durch den sauber angegröhlten Vortrag von "Viva Kolonia (Dat is prima)" seitens der Recken geschlagen wurde. Steffi trat mit ihrer wunderbaren "Leise" außer Konkurrenz an. Ansonsten unterhielten wir uns mit diversen Kleinsttieren wie Mäusen und Spinnen, einem wirklich großen Trinkhorn und dem Posieren für das "Mindener Tageblatt". Auch nächstes Jahr sind wir gerne mit von der Partie, immer vorausgesetzt, wir dürfen wiederkommen! Heike



Mittelalterlicher Markt in Münzenberg   04.06 - 05.06.2005
Und wieder sind wir auf Reisen gegangen. Diesmal lockte uns der Süden. Nach größerem organisatorischem Gefummel fuhren wir schließlich mit einem Sprinter und zwei vollgepackten Autos ins ferne Hessen (nein Markus, "Äbbelwoi" stinkt NICHT). Wir hatten diesmal keine Auftritte, sondern waren als Lagergruppe vor Ort, um mit unserer schönen Ausstattung anzugeben. Wir lagerten mit insgesamt acht (im Vergleich zu den "Frümis" meist auffallend bunten) Zelten auf der großen Wiese am Fuß der beindruckend schönen Stauffer-Burganlage in Münzenberg. Probleme bereitete uns, dass das abgemähte Gras auf eben jener Wiese fröhlich vor sich hin pollte und so bestaunte ich viele rote Nasen und tränende Augen. Doch da es durchaus häufig regnete und das Heu so regelmäßig befeuchtet wurde, hielt sich die Heuschnupfenproblematik Samstag und Sonntag in Grenzen. Dirk, Marco und Michael nahmen mit Schwert, Schild, Pfeil und Bogen an der "Freischlacht" teil. Ich bin sicher, dass sie tolle Trophäen gewonnen hätten, wären solche ausgeschrieben gewesen. So brachten sie nur Ruhm und Ehre ins Ravensberger Lager! Ansonsten gaben wir uns zweieinhalb Tage dem Müßig- und Toilettengang hin. Ach ja, apropos... ein Toilettenwagen mit zwei Waschbecken und drei Dixies war für die große Menge an Lager - und sonstigen Gruppen vielleicht doch etwas wenig, liebe Orga! Aber man will sich nicht beklagen, denn es gab die Möglichkeit zu zubern, was einige von uns denn auch sehr genossen. Der Markt war wirklich schön und lief sehr entspannt für uns ab (obwohl ich mich arg erschrocken habe, als Dirk von den Zinnen des Burgturms so laut nach uns brüllte, dass wir es sogar unten im Lager gehört haben), und die Atmosphäre auf "unserer" Wiese war toll. Vor allem die nach Odin schreienden Wikies gefielen mir sehr gut! Weitere Highlights waren das abendliche Getanze am Lagerfeuer (wie war das? Nazgul auf Speed?), das abendliche Gesinge am Lagerfeuer (danke für das Liederbuch, Steffi, ohne Dich hätten wir unseren armen Nachbarn mit noch mehr Liederexperimenten wie "Ein Loch ist im Eimer, lieber Jaaa - an, lieber Jaaa - an " bestimmt den letzten Nerv geraubt), das Axtwerfen auf Feuerholz, das Markus, Martin, Marlén und Co. fleißig übten, die Ernennung der Heimers in den Adelsstand, nun sind sie die Familie "von Bronco"! Allerdings hätte ich gerne auf folgendes verzichtet: auf den seltsamen Mann (?) in sexy blickdichten braunen Strumpfhosen, mit schwarzer Samtpumphose, blonder Lockenperücke, rotem Umhang und Totenkopfmaske aus Gummi, der unvermittelt bei uns auftauchte, Unverständliches stammelte und sich mit Dirk und seiner Minischmiede ablichten ließ; auf das Spinnennest in meinem Zelt, das ich gottseisgepriesen erst beim Abbauen entdeckte und auf Dirks blutige Experimente mit seinen Fingern! Außerdem, das glaube ich sagen zu dürfen, vermissten wir alle Matthias, unseren Zurück-Gebliebenen . Gute Besserung!!!! So, das wars mit meiner absolut unobjektiven Marktrückschau, Beschwerden nimmt das Gästebuch oder das Forum entgegen!
Heike



4. Burgfest zu Vlotho   21.05 - 22.05.2005
Wir reisten wie jedes Jahr in den Vlothoer Burgresten am Freitag an und stellten fest, dass wir dieses Mal nicht an unserem schon halb angestammten Platz am "Ravensberger Stein" angesiedelt waren, sondern unser Lager diesmal schräg rechts hinter der Bühne lag. Das kam uns sehr gelegen, da wir uns so auf den niedrigen Mauern häuslich einrichten konnten und einen verwinkelten und mit Efeu berankten Platz (fast) ganz für uns einnehmen konnten. Insgesamt hatten wir dieses Mal acht authentische Zelte mit dabei und niemand von uns musste unwürdig abseits kampieren, verschämt im Igluzelt. Und die Toiletten waren so nah! Jubel! Trubel! Heiterkeit! Entsprechend gut war unsere Stimmung also trotz Regen schon am Freitag. Leider regnete es die halbe Nacht weiter - doch auch die neuen Zelte überstanden diese erste Bewährungsprobe alle. Am Samstag stand nach der Markteröffnung, die vier unserer holden Recken begleiteten, erst um 16 Uhr das Finale unseres neuen Stückes an. Entsprechend lange hatten wir Gelegenheit, ausreichend nervös zu werden. Vollgepumpt mit Adrenalin bis zu den Halskrausen marschierten wir unter heroischem Horngeblase von JanJan durch die Menge und eroberten die Bühne (die, nebenbei bemerkt, wirklich mal wieder eine größere Renovierung vertragen könnte; diese Bohlenstolperfallen und Wackelbretter können einem Angst machen... )
Zwar mussten die meisten Kämpfe sich bei dieser Premiere spontane Umgestaltungen gegenüber der Planung gefallen lassen, doch unser Enthusiasmus glich das wieder aus. Jedenfalls johlte und buhte das Publikum sehr brav, und die Kleinsten erfreuten uns mit kindlich-naiven Zwischenrufen wie "Schneid ihm den Kopf ab", "Wieso atmet der noch" und "Tötet den Wixer". Die zweite Vorstellung an diesem Tag um 18 Uhr fiel kampftechnisch wesentlich besser aus, doch leider lag etwas zu wenig Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Auftritt, so dass das Publikum nicht mehr so interessiert war. Am Abend bewunderten wir eine sehr, sehr schöne Feuershow und zogen uns danach größtenteils an unser Feuer zurück, wo Steffi dankenswerter Weise besinnliche Liedchen zur Laute sang. Eine stille, freundliche Stimmung bemächtigte sich der Ravensberger Gefolgschaft und der gute Mond beschien uns alle. *seufz* Das einzige Ärgernis an diesem Tag war die Posaunenkapelle, die auf ihren extrem authentischen Instrumenten tapfere Choräle zu Gehör brachte - in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Lagers. Der Sonntag war der besucherstärkste Tag (ich habe nicht nachgezählt, aber vertraue meiner weiblichen Intuition). Wie gerne hätte ich mich der körperlichen Hygiene hingegeben, aber die Rahmflecken-Jungs hatten den Duschenschlüssel entführt. ("Booogenschützen..."!) Wir traten um 14 und um 17 Uhr mit unserer Show auf und waren an diesem Tag um einiges besser (wirklich! Ehrlich! Eigenlob soll ja stinken, aber trotzdem!), nämlich lauter in den Stimmen und engagierter. Besonders gut gefiel mir persönlich, dass unser Graf Otto von und zu Ravensberg darauf zu bestehen schien, als finale Demütigung über den von ihm erlegten namenlosen Lipper Gefolgsmann (JanEike) zu fallen und beinahe auf ihm liegen zu bleiben. Nur die Parierstange hättest Du Dir nicht ins Gesicht zu hauen brauchen, Marco! Echtes Blut auf der Bühne schockiert doch die zartfühlenden Kinderlein (s.o.). Beim letzten Auftritt dieses Marktes holte Steffi unsere liebe "Magd" Anna auf die Bühne, denn sie hatte Geburtstag. Nie habe ich Anna so rot werden sehen. Besonders das Ständchen vom Duivelspack schien die Gute aus der Fassung zu bringen. An dieser Stelle noch einmal: Herzlichen Glückwunsch, Anna! Zusätzliche Höhepunkte waren Dirks Überlegungen, das Dosenpfand wieder einzuführen (der Herr in der Rüstung drückte sich vor einem entscheidenden Duell), Meikes leckeres Essen, Christines Kaffe-und-Kuchen-Verwöhnprogramm, der Höllenhund ("Ja, wenn man den Schwanz in die Fackel hält, tut das weh�"), die Tatsache, dass diesmal niemand im ungesunden Übermaß dem Met frönte und natürlich die Besuche unseres Lieblingsbettlers. Vielen Dank an die Recken zur Porta für die erneute Einladung. Hoffentlich bis nächstes Jahr!
Heike